Vietnam – eine Reiseerfahrung

Im Sommer 2016 verbrachten zwei Freunde und ich drei Wochen in Vietnam und bereisten dieses wunderschöne Land. Vor kurzem bin ich endlich dazugekommen die Fotos zu sortieren. Das ist eine gute Gelegenheit um hier ein paar Erfahrungen zusammenzufassen.

Ungefähr 12 Stunden Reisezeit trennen Wien von Ho Chi Minh City (Saigon). Vor der Reise haben wir uns gut darauf vorbereitet. „No Bite“ war eingepackt, geimpft waren wir auch, und die Reiseapotheke war mehr als gut ausgestattet. Alles das konnte mich aber nicht auf den ersten Eindruck der Großstadt in Vietnam vorbereiten.

Nachdem wir gelandet waren, gingen wir aus dem Flughafen heraus und die schwüle Hitze erdrückte uns. Seit mehreren Tagen hatte es nicht geregnet. Die Luft stank nach Abgasen und mir brannten die Augen. Wir nahmen uns ein Taxi. Unser Hotel war in einer Straße, die voll von kleinen „Garagenrestaurants“ war. Es roch nach Essen und war unbeschreiblich laut. Mein erster Eindruck von Vietnam war einfach überfordernd. Nach einer erfrischenden Dusche schaute aber die Welt schon wieder besser aus und wir gingen Essen.

Die ersten Tage unserer Reise verbrachten wir in Saigon. Diese Stadt war eine völlig neue Erfahrung für mich. Die erste Hürde stellte der Umgang mit dem Straßenverkehr in der Rolle als Fußgängerin dar. Die meisten Einwohnerinnen und Einwohner von Vietnam fahren einspurige Fahrzeuge. Das Überqueren der Straße fühlte sich wie das Überqueren eines reißenden Flusses von Rollern an. Keines der Fahrzeuge bleibt stehen, wenn ich von der einen Straßenseite auf die andere wollte. Die einzige Chance auf der gegenüberliegenden Seite unverletzt anzukommen ist für alle Verkehrsteilnehmerinnen und –teilnehmer berechenbar zu bleiben. Dabei sollten Schnittpunkte der eigenen Trajektorie mit den den Trajektorien der anderen vermieden werden. Ich gebe zu, es ist eine relativ rechenintensive Aufgabe :-). Es ist allerdings äußerst effizient. Wir haben in der Großstadt keinen Stau gesehen. Der Verkehr bleibt flüssig.

Entspannend war hingegen die darauf folgende Tour durch das Mekong Delta. Zahlreiche Bootsfahrten und der Besuch von Tempeln und Pagoden vermittelten uns einen Eindruck der atemberaubenden Landschaft und der schönen Architektur. Danach flogen wir nach Da Nang und kauften uns selbst Roller, damit wir die Landschaft auf unserem Weg nach Hanoi selbstständig erkunden konnten. Wir lernten sofort, die Hupe ist dein Freund. Das Hupsignal ist weniger eine Warnung, als eine Ankündigung. Vor jeder Kreuzung sollte man hupen um sich anzukündigen. Bei jeder Ausfahrt, an der man vorbeifährt, wird auch gehupt. Mit der Hupe macht man sich den Vorrang aus. Ich gewöhnte mich an den von mir aus gesehen chaotischen Straßenverkehr. Mit der Zeit bemerkte ich, dass eine Ordnung im Chaos steckt und ich manchmal diese nur nicht ausreichend analysieren konnte um mitmachen zu können. Wir sind trotzdem unfallfrei ans Ziel gekommen.

Ein anderes Beispiel dafür, dass ich die Verhaltensregeln nicht kannte, war das Anstellen. Anstellen funktionierte ganz anders als gewohnt, egal ob am WC oder beim Ticketschalter am Bahnhof. Wenn ich mich in einer Reihe anstellte und wartete, bis ich dran bin, kam ich nie an die Reihe. Ich musste mich vordrängen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass das als unhöflich wahrgenommen wird. Viel mehr ist es eine andere Art sich anzustellen.

Auf unserer Fahrt zwischen Da Nang und Hanoi hielten wir unter anderem in Hoi An (von dort aus besuchten wir die Tempelstadt My Son), Hue und Dong Ha. Wir kamen an kleine und sehr schöne Dörfer vorbei. Als Touristen fielen wir dort besonders auf. Egal wo wir außerhalb von touristischen Gegenden hielten, es wurde gleich das ganze Dorf zusammengetrommelt. Diejenigen, die ein bisschen Englisch sprechen konnten, scharten sich um uns. Sie wirkten froh, dass sie mit jemanden Englisch sprechen konnten. Sie fragten uns woher wir sind und was wir da tun. Ich bin mir nicht sicher wie viel sie von unseren Antworten verstanden. Leider habe ich es bis zum Schluss nicht geschafft einen Satz auf Vietnamesisch zu sagen. Ich tat mir bei den einfachsten Begriffen schwer sie auszusprechen und mir zu merken, was sie bedeuten. Zumindest „Danke“ hatte ich irgendwann im Wortschatz.

Auf diesem Teil der Reise besuchten wir auch die Vinh Moc Tunnel, in welchen sich ein gesamtes Dorf während des Vietnamkrieges versteckte und sich verteidigte. Schon davor hatte ich gespürt, dass der letzte Krieg noch nicht so lange her ist. Die Tunnel waren jedoch meine wertvollste Erfahrung in dem Umgang mit der Kriegsgeschichte des Landes. Ich fühlte mich versetzt in eine andere, sehr unangenehme Zeit. Die Tunnel erzählen ihre eigene haarsträubende Geschichte. Bei der Vorstellung, dass Menschen über lange Zeit in solchen Tunnelanlagen leben mussten, bekam ich eine Gänsehaut.

Das Erkunden des Landes auf dem Roller hatte einen gewissen Charm. Wir entflohen den touristischen Gebieten und konnten das Land etwas besser kennen lernen. Wir genossen es nicht zu wissen, was wir zum Essen bestellen. Englische Übersetzungen gibt es nämlich nur in den touristischen Restaurants. Das einheimische Essen schmeckte mir persönlich ausnahmslos so gut, dass ich keine Angst hatte einfach auf eine Speise in der Speisekarte zu zeigen und sie zu bestellen, ohne zu wissen, was es genau ist. In Vinh verkauften wir die Roller wieder und fuhren mit dem Zug nach Hanoi.

Hanoi gefiel mir besser als Saigon. Es war etwas entspannter. Vielleicht lag es aber auch daran, dass ich mich einfach an die Gerüche, die Lautstärke und die Gesamtatmosphäre gewöhnt hatte. Wir beendeten unsere Reise mit einer Tour durch die Bai Tu Long Bay ab (gleich neben der Halong Bay). Die schönen Felsformationen im Meer und das gute Essen auf dem Schiff waren der perfekte Abschluss unserer Reise.

So schockierend der Beginn unserer Reise war, so wunderschön ging sie zu Ende. Natürlich schauten wir uns einige der Sehenswürdigkeiten, die in den meisten Reiseführern beschrieben sind, an. Den schönsten Eindruck vom Land hatte ich allerdings vom Roller aus. Vietnam ist ein sehr interessantes Land mit einer sehr herausragenden Kultur und Geschichte. Die Menschen beeindruckten mich mit ihrer Hilfsbereitschaft. Die Architektur war wunderschön und die Landschaft malerisch. Zusammengefasst kann ich nur schreiben, dass diese Reise ein Erlebnis für mich war, welches meinen Horizont erweiterte.

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