Archiv der Kategorie: Unipolitik

Who are the candidates for the PhD Student Representative Body (Studienvertretung)?

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From left to right: Patrik ZIPS (Electrical Engineering and Information Technology), Alexander GRILL (Engineering and Information Technology), Walid HETABA (Physics), Bianka ULLMANN (Mechanical and Industrial Engineering), Wolfgang MÜLLER (Mathematics)

We all have worked already in student representative bodies before. We want to use the experience, we made during the past and achieve our goals for the next term:

Lectures suited for PhD studies
The lectures required for the PhD program shall increase the depth of the scientific field of the dissertation. However Vienna University of Technology (TU Wien) does hardly offer any lectures suited for PhD students who in turn have to chose lecture of the master programs instead. We want to change this deficiency and want to institute lectures tailored for PhD students. As the pilot project with transferable skill seminars was widely accepted we will provide them again and try to estabilish this achievement as a permanent lecture.

Improved employment conditions
PhD students have a large impact on the scientific output of the TU Wien. Nevertheless, the employment of research assistents was reduced to 25 hours per week including additional effort for teaching and administration. We will campaign for the implementation of the collective agreement and a uniform employment of 40 hours per week for all PhD students. Furthermore, the work balance between administration and research shall be improved.

Representation in committees
The representation of the academic personnel in committees as well as in the work council is mostly composed of PostDoc employees. The concerns of the PhD-students are represented insufficiently. We will speak up for the PhD-students and take a stand in these committees.

Counselling
As the student council for PhD-students received new rooms, we want to offer fix appointment hours to help new students at the beginning of their studies and help with current issues of PhD-students.

Collaboration with doktarat.at and Eurodoc
Doktorat.at ist an open platform for all young scientists in austria. The student union collabrates with doktorat.at as well as with Eurodoc, the association of young scientists in europe.

The election of the PhD student representation is an election of up to FIVE persons. You may mark up to FIVE candidates with a cross on the ballot. We encourage you to vote for ALL FIVE. There is a lot of work to do during the next two years and voting for all of us ensures that your interests can be represented properly and effectively.

What can PhD-students vote for?

You can vote for the PhD student representatives and the representatives of all students at the Vienna University of Technology (TU Wien).

PhD Student Representative Body (Studienvertretung)
The PhD Student Representative Body represents the interests of all PhD students at the TU Wien. This includes participation in self-governing bodies at the university, advising PhD students and contacting lecturers and the works council, for example. The election of the student representatives for the Student Representative Body is an election of persons. You may elect zero to five representatives (you may mark up to five crosses on the ballot).

University Representation of Students (Universitätsvertretung)
The University Representation of Students represents the interests of all students at the TU Wien. This includes participation in the senate, contact to the rectorate and the Federal Government Department for Science and Research. You may vote for one political group. Depending on the votes for each political group, the seats (which will be 17 in the next term) are allocated as the D’Hondt method describes. Also, depending on the votes, student representatives are delegated to the federal representation of the Austrian Students’ Union (Bundesvertretung).

To be continued!

Election of the Student Representatives (ÖH-Wahlen)

The time has arrived again: From May 14th to 16th the election of the student representatives takes place. I think, that the representation of students is a major concern. That is the reason, why I am one of five candidates for the PhD student representative body (Studienvertretung der Doktoratsstudierenden) at the Vienna University of Technology.

It is very important, that every student makes use of his or her right to vote. One of my goals is to achieve a high voter participation. A high voter participation during the election of the student representatives means a strong and serious student representation. I think, that one way to reach this goal is information. For this reason I want to sum up some imformation for all PhD students at the Vienna University of Technology on my blog during the next days.

There are a lot of possibilities to inform yourself about the election of the student representatives. Here are some links:

Website of Fachschaft Doktorat

Website of the the Students‘ Union at the Vienna University of Technology

Website of the electoral commission

Website of the Austrian Students’ Union

To be continued!

Forschung und Lehre unter einen Hut bringen

Mir ist aufgefallen, dass es immer unbeliebter wird auf der TU Wien zu lehren. Die Gründe dafür sitzen offensichtlich tiefer als man denkt. Ich habe mir ein paar Gedanken gemacht:

Der Verwaltungsaufwand steigt. Offensichtlich sind viele junge Forscherinnen und Forscher mit Verwaltung eingedeckt. Die Frage auf welche ich keine Antwort weiß ist, wie es zu einer Verwaltungsreform kommen kann und welchen Nutzen sie haben könnte.

All inclusive Verträge und auch andere Umstände führen dazu, dass man die Lehre in der eigenen Freizeit, meist außerhalb der vollen Woche, macht. Besonders junge Menschen stehen unter Druck und können es sich nicht leisten langsamer zu forschen, damit sie auch Zeit für die Lehre haben.

Man kriegt Lehre „aufgezwungen“. Die Lehre ist das ungeliebte Stiefkind, weil es nur wenig bis nichts zur eigenen Karriere beiträgt. Man schenkt Zeit her, was irrsinnig frustriert.

So geht sie dahin die forschungsgeleitete Lehre. Aber was läuft hier eigentlich schief? Das ist ein strukturelles Problem, aber wo setzt man an um es zu lösen? Ich habe das Gefühl, dass oft vergessen wird, dass jeder Mensch nur kurze Zeit lebt. In dieser Zeit kann man die Welt verändern, aber es wird nichts bringen, wenn man das Wissen nicht an die nächste Generation weitergibt.

Töchterle und die Hochschulmilliarde

Interessantes entwickelt sich im Moment. Nachdem das BMWF erst vor kurzem angekündigt hatte, das Budget der Universitäten würde für die nächste Leistungsvereinbarungsperiode auf Grund von Sparmaßnahmen nicht angehoben und der Inflation angepasst werden, soll jetzt eine Hochschulmilliarde für 2013 – 2015 ausgeschüttet werden. http://diepresse.com/home/politik/innenpolitik/692390/Toechterle_UniMilliarde-soll-Hochschulen-retten

Aufgeteilt auf drei Jahre und auf alle Hochschulen entspricht das ungefähr der dringend notwendigen Inflationsanpassung. Obwohl letztendlich die jetzige Situation eigentlich nur erhalten wird, wirkt es so, als ob es etwas sehr Positives wäre. Leider wird dieser Trick nur sehr schwer durchschaut. Es wird eine Situation, die verherende Folgen hat, dargestellt um den Verhandlungspartner oder die Verhandlungspartnerin dazu zu bringen mit der Erfüllung einer Minimalforderung schon sehr zufrieden zu sein. In diesem Fall würde das bedeuten, dass man dazu verleitet wird mit einem Kompromiss einverstanden zu sein, der in Wirklichkeit keiner ist. Die Hochschulen kriegen eine Milliarde Euro und führen als Entgegenkommen Zugangsbeschränkungen und Studiengebühren ein.

Zusätzlich sollen laut Töchterle Studierende aus Nicht-EU-Ländern die Kosten für ihr Studium selbst tragen. Für viele bedeutet das das Aus für ihr Studium in Österreich. Ebenso führt das nicht zu der auf den Universitäten so notwendigen Internationalität. Im Gegenteil, es wird dazu führen, dass weniger Menschen aus anderen Ländern nach Österreich studieren kommen. Für mich ist das eine absolut unverständliche Maßnahme. Internationalität bedeutet Austausch von Ideen, Lösungsansätzen und Krativität. „Gemeinsam statt Einsam“ sollten wir forschen, musizieren und vieles mehr, weil wir nur auf diese Art uns weiterentwickeln, von einander lernen und auch profitieren können.

Das ist eine traurige Entwicklung.

Konsequenzen des Sparens

Sparen, sparen, sparen! Dieses Wort wird in letzter Zeit innerhalb der TU Wien inflationär gebraucht. Es ist in aller Munde und zu jeder Tageszeit ein Gespräch wert. Von Gegner(inne)n bis zu Befürworter(inne)n, alle reden mit. Was aber niemandem so richtig bewusst zu sein scheint sind die Konsequenzen des Sparens. Nicht umsonst spricht man oft von „Kaputtsparen“.

Im April bekamen alle Angehörigen der TU Wien eine vom derzeitigen Rektor Skalicky und der zukünftigen Rektorin Seidler verfasste E-Mail. In dieser Mail machen sie gemeinsam darauf aufmerksam, was im Zuge des Projekts „TU Univercity 2015“ alles geschaffen wurde. Die Aufmerksamkeit wird in der Mail auch auf das in Zukunft fehlende Geld gelenkt. Es wird unter anderem erwähnt, dass die Zahl der Studierenden seit 2003 um 60% gestiegen ist. Das Betreuungsverhältnis ist schlechter geworden. Die Ausführungen in der Mail werden mit folgendem Absatz abgeschlossen:

„Bitte schenken Sie diesen Ausführungen die notwendige Aufmerksamkeit! Wir stehen nicht wieder vor ein oder zwei mageren Jahren, sondern vor einem strukturellen Eingriff in die Entwicklung der TU Wien. Sollte, wie befürchtet, die Unterfinanzierung anhalten, ist ein Rückfahren der Leistungen und damit ein gezieltes Schrumpfen der Organisation unausweichlich. In letzter Konsequenz bedeutet das auch den Abbau von Personal.“

Wenn man genau liest, dann würde das bedeuten, dass nicht nur Personal in den Dienstleistungsbereichen der TU Wien (Gebäude und Technik, ZID,…), sondern auch in der Lehre abgebaut wird. Schlechtere Betreuungsverhältnisse sind da nur die direkte und erste Konsequenz. Die Reduktion der Studierendenzahlen durch Aufnahmeprüfungen und/oder Studiengebühren als erhöhte finanzielle Belastung sind die logischen Folgen.

Das sind aber nicht die einzigen Konsequenzen. Ganze Hörsaaltrakte können nicht gebaut und wichtige Sanierungen nicht durchgeführt werden. Das Schrumpfen der Organisation kann in dem Fall bedeuten, dass Institute und Studienrichtungen zusammengelegt werden. Beispielsweise wird Physik und Chemie sowohl auf der Uni Wien, als auch auf der TU Wien angeboten. Es erscheint naheliegend, dass solche Studienrichtungen in Zukunft nur noch auf einer Uni in Wien angeboten werden.

Das Sparen wird uns vermutlich auch im alltäglichen Leben auf der Uni treffen. Wer bisher bis 23 Uhr auf der Uni gelernt hat, darf sich in Zukunft wahrscheinlich darauf einstellen, früher gehen zu müssen, weil die Öffnungszeiten gekürzt werden. Die Lernräume, die so dringend für uns Studierende sind, werden vermutlich nicht mehr weiterausgebaut. Bei für uns wichtigen Dienstleistungsbereichen wie der Studien- und Prüfungsabteilung werden ebenfalls starke Einsparungen angedroht.

Das sind nur einige Beispiele dafür, welche Maßnahmen uns direkt oder indirekt treffen werden. Wenn man zum Sparen verpflichtet wird, muss man die Kosten reduzieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass einige von den oben genannten Konsequenzen eintreffen werden ist groß. Was uns aber nicht logisch erscheint ist, warum wir so massiv einsparen müssen. Angesichts der Tatsache, dass das heutige Diplom für viele Bereiche der Wirtschaft der Matura von vor 50 Jahren entspricht, ist es nicht verwunderlich, dass die Zahl der Studierenden steigt. Volkswirtschaftlich kann es nur ein Erfolg sein, allen Menschen in der Gesellschaft ein Höchstmaß an Bildung zu ermöglichen. Vor 20 Jahren hätte mit dem Ausbau der Universitäten und Fachhochschulen begonnen werden müssen. Wurde es aber nicht. Nun müssen wir die Fehler der Vergangenheit auf unseren Rücken austragen.

Die Frage ist, wie geht es weiter? Sollen sich unsere Befürchtungen bewahrheiten? Wollen wir alle weiterhin unsere Nasen in unsere Bücher vergraben und glücklich sein, dass all diese Veränderungen uns nicht mehr so stark betreffen werden oder wollen wir aufstehen und uns gemeinsam mit allen Universitätsangehörigen an die Arbeit machen, um zu retten, was noch zu retten ist? Nur gemeinsam können wir etwas bewirken. TU es!

Sparen – um jeden Preis?

Aber wer spart sich was beim Unibudget?
Keine leichte Situation, die da auf uns zukommt. Öffentliche Mittel für die Universitäten werden ab 2013 nicht einmal mehr an die Inflation angepasst, der Bezug der Familienbeihilfe soll gekürzt werden und sogar die Grünen diskutieren inzwischen die Einführung von Studiengebühren.
Die gesamte politische Diskussion kann mit einem Totschlagargument gerechtfertigt werden: Alle müssen sparen! Aber was ersparen wir uns eigentlich? Angenommen, Studiengebühren würden wieder eingeführt werden. Tatsache ist, dass Studiengebühren der Universität kein zusätzliches Geld bringen werden. Derzeit zahlen ca. 40% der TU- Studierenden Studiengebühren. Die Differenz auf 100% wird der TU Wien bis auf Weiteres vom Ministerium erstattet, wodurch die TU Wien de facto so viel Geld bekommt, als wenn alle Studierenden Studiengebühren zahlen würden. Wenn Studiengebühren wieder eingeführt werden, würde das Ministerium diese Differenz nicht mehr zahlen. Die TU Wien würde sich also nichts ersparen.

Um das zu kompensieren, was der TU Wien durch die Nicht-Anpassung des Globalbudgets letztendlich fehlen würde, müsste man flächendeckende Studiengebühren von ca. EUR 1500,- pro Semester einführen. Bei Studiengebühren im Allgemeinen und insbesondere bei einer solch markanten Höhe stellt sich immer die Frage der sozialen Gerechtigkeit. Durch den Ausbau des Beihilfensystems könnte man der sozialen Ungerechtigkeit, die Studiengebühren mit sich bringen, entgegenwirken. Wenn man allerdings bedenkt, dass einer Studentin oder einem Studenten durchschnittlich EUR 940,- pro Monat zum Leben zur Verfügung stehen und mindestens 40% (wahrscheinlich werden es mehr sein) der Studierenden bei dieser Höhe von Studiengebühren Studienbeihilfe beziehen müssten, erspart sich der Staat gegenüber der jetzigen Situation nichts. Im Gegenteil, er müsste um einiges mehr investieren damit die soziale Gerechtigkeit gewährleistet wäre und aus diesem Grund wird diese Anpassung nicht passieren.

Von sozialer Gerechtigkeit kann man bei den Überlegungen, die Familienbeihilfe nur noch bis 24 Jahren laufen zu lassen, allerdings schwer sprechen. In einem technischen oder naturwissenschaftlichen Studium ist das Masterstudium als „Grundausbildung“ zu sehen. Ein Großteil der Studierenden beginnt ihr Bachelorstudium mit 19 Jahren, viele auch erst mit 20. Wir alle wissen dass ein Studium in Mindestzeit auf der TU unrealistisch ist, somit ist der Abschluss eines Masterstudiums bis 24 völlig außer Reichweite. Nach dem derzeitigen Gesetztesentwurf ist es auch leider nicht angedacht, die wegfallende Familienbeihilfe durch Studienbeihilfe zu kompensieren. Ohne reiche Eltern, die im Notfall einspringen, muss man wohl arbeiten gehen um weiter studieren zu können. In einer Zeit, in der das unreflektiert übernommene und weiterverbreitete Wort „Mindestzeit“ heißt , ist das paradox.
Gerade dieses Paradoxon ist in Wirklichkeit der Schlüssel zum Verständnis, was sich der Staat ersparen möchte. Um soziale Gerechtigkeit zu erreichen, müssen Gesetze geändert und vor allem gesellschaftlich Mut bewiesen werden. Umverteilung ist schließlich ganz ganz böse und für die Leserinnen und Leser eines bekannten Wiener Kleinformats ähnlich suspekt wie die EU-Mitgliedschaft. Der so oft geforderte Ausbau des Beihilfensystems ist ebenfalls nicht angedacht. Kostet ja Geld. Langsam müssen sich
nicht nur die Studierenden, sondern alle Österreicherinnen und Österreicher überlegen, ob wir in einem Staat leben wollen, in dem Bildung ein Privileg der Reichen sein soll.
Die HTU hat zu den Änderungen der für uns Studierenden relevanten Gesetzen umfangreich Stellung bezogen [1]. Bei Interesse kannst du uns auch im Referat für Bildung und Politik bzw. im Vorsitz der HTU Wien besuchen und dich erkundigen, was derzeit passiert.

Vorsitzcorner htu_info von Ulf, Peter und Bianka
[1] http://www.htu.at/frontend/detail_news.php?nr=244

Die Verleihung des goldenen Diploms

… und das Gutachten, in dem die Durchführung von massenhafter Tötung in nationalsozialistischen Konzentrationslagern für unmöglich erklärt wird.

Alles begann mit der Verleihung eines Goldenen Diploms am 11. Dezember 2009. Das ist nichts Ungewöhnliches. Schließlich werden viele bereits erfolgte Verleihungen akademischer Grade aus einem besonderen Anlass, insbesondere anlässlich der fünfzigsten Wiederkehr des Tages der Verleihung, erneut vorgenommen. Bis vor kurzem waren viele Fakultäten und das Rektorat der Meinung, dass das auch der einzige Grund für die Verleihung des Goldenen Diploms ist. Was schon seit längerem in Vergessenheit geraten war, ist die Tatsache, dass die Verleihung nur auf Grund der besonderen wissenschaftlichen Verdienste, des hervorragenden beruflichen Wirkens oder der engen Verbundenheit mit der Technischen Universität Wien gerechtfertigt ist.  Vor allem aber wurde vergessen, dass die Verleihung eines Goldenen Diploms eine Ehrung ist.
Am 17. Dezember 2009 erschien ein Artikel im „Standard“, der die Verleihung des Goldenen Diploms an den Bauingenieur Walter Lüftl bekannt machte. Am selben Abend rief ich noch Herrn Eberhardsteiner, den Dekan der Fakultät für Bauingenieurwesen und Herrn Sommer, den Pressesprecher der TU Wien an. Alle wirkten zunächst überrascht, jedoch auch nicht unberührt. Langsam wurde jedoch allen klar, dass etwas passiert war, das die Ehre der TU Wien in ein zweifelhaftes Licht rückte. Unverzüglich wurde am 18. Dezember eine Kommission dazu eingerichtet, die über die weitere Vorgehensweise beraten sollte. Wie schon in den Medien bekannt gegeben, bestand diese Kommission aus der Leiterin des TU Archivs, dem Dekan der Fakultät für Bauingenieurwesen, dem Vorsitzenden des Senats der TU Wien und mir als Vorsitzende der HTU. Im Laufe der Monate Jänner und Februar wurden etliche Stunden an Vorarbeit investiert und es gab insgesamt drei Treffen dieser Kommission.
Im Laufe unserer Arbeit schrieb Frau Dr. Juliane Mikoletzky als Leiterin des TU Archivs eine Stellungnahme, die sich mit den Voraussetzungen für die Erneuerung eines Akademischen Grades („Goldenes Ingenieur-Diplom“) für DI Walter Lüftl beschäftigt. Herr Lüftl, der in den Medien auch oft als Holocaust-Leugner bezeichnet wird, musste 1992 als Präsident der Bundesingenieurkammer zurücktreten. Der Grund dafür war ein „Gutachten“, in dem er die Durchführung massenhafter Tötung in Konzentrationslagern aus technischen Gründen für unmöglich erklärte. Dieses „Gutachten“ und auch die Zitate daraus wurden in diversen rechtsradikalen Zeitschriften veröffentlicht. 1995 wurde von Josef Bailer nachgewiesen, dass Lüftl von falschen Annahmen ausgeht. Eine Voruntersuchung gegen Lüftl von der Wiener Oberstaatsanwaltschaft wurde eingestellt, was aber nach einem Rechtsgutachten 2005 heutzutage so nicht mehr möglich wäre. Die Stellungnahme des TU Archivs inklusive aller Quellenangaben ist im Downloadbereich unter der Überschrift „Stellungnahmen“ auf http://www.htu.at zu finden.
Recherchen ergaben, dass die Unterlagen von Herrn Lüftl vor der Verleihung nicht ausreichend geprüft wurden. Im Satzungsteil „Ehrungen“ war eine Stellungnahme, die der zuständige Fakultätsrat zu der betreffenden Person vor der Verleihung eines Goldenen Diploms abgeben sollte, verlangt. Eine solche wurde nie abgegeben. Die Verleihung eines Goldenen Diploms wurde offensichtlich schon öfter nicht als Ehrung, sondern als etwas Selbstverständliches gehandhabt.  Mit den Erkenntnissen und der Stellungnahme als Grundlage wurde von der Kommission einstimmig beschlossen, dem Rektorat zu empfehlen, das Goldene Diplom von Herrn Walter Lüftl zu widerrufen und den Satzungsteil „Ehrungen“ zu überarbeiten mit der Zielsetzung den Fakultätsrat qualifiziert einzubinden und damit die Beurteilung zu verbessern. Der Vorschlag zur Satzungsänderung wurde in der Senatssitzung am 25. Jänner 2010 beschlossen. Am selben Tag wurde auch Herr Walter Lüftl über den Widerruf seines Goldenen Diploms informiert. Die Empfehlung der Kommission „Causa Lüftl“ ist ebenfalls im Downloadbereich unter der Überschrift „Stellungnahmen“ auf http://www.htu.at zu finden.
Mit der Empfehlung war die Aufgabe der Kommission erfüllt. Was für mich persönlich jedoch zurückbleibt ist ein bitterer und grauslicher Nachgeschmack von den Aussagen mancher außenstehender Personen während der Diskussionsphase dieses Falles: Man verstehe nicht, warum man über die Massentötung während des Nationalsozialismus nicht objektiv und wissenschaftlich sprechen könne. Die gesamte Aufregung komme ja nur von sogenannten linkslinken Gutmenschen. Herr Lüftl hätte sein Goldenes Diplom nicht für das „Gutachten“ bekommen, sondern für seine Verdienste während des Berufslebens, und das wäre gerechtfertigt. Dazu kann ich nur schreiben – FALSCH! Eine Ehrung wird nicht nur für ein erfolgreiches Berufsleben verliehen. Eine Ehrung heißt auch, dass die Universität auf die Absolventin oder Absolventen stolz ist und sich in ihr oder ihm selbst darstellen und wiedererkennen kann. Die Verleihung eines Goldenen Diploms ist nicht nur eine Ehrung für denjenigen Menschen, der sie verliehen bekommt, sondern auch eine Ehre für die Universität, die sie verleiht. <br>

Stellungnahme des Archivs:
http://htu.at/pub/Main/StellungNahmen/Stellungnahme_Archiv_zu_Lueftl.pdf